Hansestadt Einbeck

In unsicheren Zeiten schlossen sich Mitte des 13. Jahrhunderts Fernkaufleute in der Hanse zusammen („Kaufmannshanse“). Sie wollten in erster Linie Hanse das Risiko der gefährlichen Reise nicht alleine, sondern im Schutz einer Gruppe bestreiten. Handelswege waren damals extrem unsicher. Bereits Ende des 12. Jahrhunderts waren Fahrtgemeinschaften gebildet worden, das Konzept wurde städtepolitisch in einen Vertrag von 1259 zwischen Lübeck, Wismar und Rostock eingebracht. Allmählich entwickelt sich eine Städtehanse. Ab 1265 treffen sich die Hansestädte einmal jährlich. Dem nach und nach entstehenden Bündnis gehörten in Hochzeiten bis zu 200 größere und kleinere Städte („Städtehanse“) an, nachdem ab dem 13. Jahrhundert in Europa immer mehr Stadtrechte verliehen werden.

Einbeck ist seit Mitte des 14. Jahrhundert als Hansestadt belegt, war vollwertiges Mitglied mit Stimmrecht. Vor allem der Bierhandel in Einbeck profitierte von der Hanse und florierte, aber auch der Leinenhandel. Zwischen 1382 und 1490 gehörte die Stadt mit mehr als 21 Beteiligungen an den sächsischen Städtebünden zu der Gruppe der aktivsten Gemeinwesen. Der früheste Hinweis auf eine Zugehörigkeit Einbecks zur Hanse stammt aus dem Jahre 1368, als Einbeck in einem Wismarer Rezeß erstmals in der Umgebung dieses Bündnisses genannt wird. Vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen der Hanse mit Waldemar IV. wurden sächsische und märkische Städte schriftlich aufgefordert, gegen eine mögliche Unterstützung des dänischen Königs von seiten ihrer Herren vorzugehen; unter den Adressaten ist auch Embeke aufgeführt.

Zwischen 1382 und 1490 gehörte die Stadt mit mehr als 21 Beteiligungen an den sächsischen Städtebünden zu der Gruppe der dort aktivsten Gemeinwesen. Einbeck wird auch häufig in hansischen Geschichtsquellen genannt. Eine herausragende Rolle hat die Stadt in dem Bündnis jedoch nicht gespielt. Die Beteiligung war eher praktischer Natur. Der Bier-Export musste florieren. Über die Wahrnehmung eigener wirtschaftlicher Interessen hinaus ist Einbeck als Hansestadt nicht in Erscheinung getreten.

Der bedeutsamste Zusammenschluss zur Wahrung der eigenen wirtschaftlichen und politischen Interessen fällt in das Jahr 1426: Die Bürgermeister und Ratsleute aus Goslar, Magdeburg, Braunschweig, Halle, Hildesheim, Halberstadt, Göttingen, Quedlinburg, Aschersleben, Osterode, Hannover, Helmstedt, Northeim, Alfeld, Hameln und auch Einbeck regelten, wie sie beim bevorstehenden Hansetag in Lübeck ihre gemeinsamen Interessen wahrnehmen wollten. Und sie sicherten sich gegenseitig Unterstützung zu.

Bei Hansetagen entsandte Einbeck früher keine eigenen Abordnungen, sondern ließ sich wie viele Mittelstädte durch den Vorort des Hansebezirks, Braunschweig, vertreten. Ein Hansetag konnte bis zu zwei Wochen dauern, und er war teuer: Die Delegierten mussten nicht nur die Reisekosten tragen, meistens nach Lübeck, dem Haupt der Hanse, sondern dort auch für Kost und Logis selbst aufkommen.

Am Hansetag teilzunehmen war keine Pflicht, Städte haben die Einladung einfach auch mal ignoriert, wenn ihnen die Tagesordnung zu brisant erschien, insbesondere dann, wenn sie das Verhältnis zum eigenen Landesherrn betraf. Die nicht auf Mehrheitsentscheidungen, sondern Einstimmigkeit beruhenden Rezesse, die Beschlüsse der Hansetage, waren jedoch für alle Hansestädte bindend. Mehrfach hat Einbeck auch der Ausschluss aus der Hanse gedroht, weil die Stadt trotz Aufforderung nicht am Hansetag teilgenommen hat oder ungehorsam gegenüber Beschlüssen der Hanse war. Im Jahr 1448 sprach sich Stralsund in einem Schreiben an Lübeck für den Verbleib von Hildesheim und Einbeck im Bündnis aus. Zuvor hatte der Rat der Stadt Lübeck die Ratskollegen in Rostock, Stralsund, Wismar, Lüneburg und Stade um Zustimmung ersucht, als Sanktion unter anderem Einbeck
ausschließen zu dürfen.

Vor allem der Export des Einbecker Bieres profitierte von der Hanse. Ein seltenes Beispiel, bei dem Einbeck in der Rolle des aktiven Vermittlers in Erscheinung trat, zeigt eine Urkunde aus dem Jahr 1453. Die Herzöge von Braunschweig entsagten ihrer Fehde gegen die Stadt Lübeck. Zwei Tage danach schrieb der Rat der Stadt Einbeck an das Haupt der Hanse und teilte mit, dass er die Herzöge bewogen habe, den Streit einzustellen: „Einbecker Bier kann daher wieder ungehindert eingeführt werden.“

Die mittelalterliche Hanse war in vier Bezirke eingeteilt. Die jeweiligen Hauptorte waren Lübeck, Danzig, Braunschweig und Köln. Einbeck gehörte zum Bezirk Braunschweig. Lange Zeit hat die Hanse Wirtschaft, Handel und Politik mit bestimmt und mit gestaltet, bis sie Mitte des 17. Jahrhunderts ihre Bedeutung verlor. Der erste Hansetag fand 1356, der letzte 1669 statt.

Die „neue“ Hanse wurde im Jahr 1980 in Zwolle wiederbelebt und hat sich zur Aufgabe gemacht, den Geist der Hanse als Lebens- und Kulturgemeinschaft der Städte lebendig zu halten. Durch die Traditionspflege und den lebendigen Austausch der Mitgliedsstädte möchte die neue Hanse einen Beitrag zur wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen und staatlichen Einigung Europas leisten. Jährlich finden Hansetage statt. Einbeck ist seit Jahren regelmäßig bei diesen Hansetagen vertreten. Lübeck ist vom 22. bis 25. Mai 2014 zum zweiten Mal nach 1983 Gastgeber der Internationalen Hansetage der Neuzeit.

Holstentor in Lübeck.

Holstentor in Lübeck.

 

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