Lübeck in Rostock

Bernd Saxe, Lübecks Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer, Jan Lindenau und Michael Bouteiller (v.l.).

Sie ist das Haupt der Hanse, die Königin. Lübeck. Ihr Bürgermeister ist geborener Vormann der Hanse. Und so ist es Tradition, dass nach dem Empfang des gastgebenden Bürgermeisters auch noch der Bürgermeister der Hansestadt Lübeck die Delegierten und Bürgermeister zu einem Abend während der Hansetage einlädt. So geschah es gestern im Kulturhistorischen Museum, genauer im Innenhof des zu dem Komplex gehörenden Klosters zum Heiligen Kreuz. Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau (38), erst seit wenigen Wochen im Amt, verbindet mit der Hanse eine lange Geschichte, er hat vor 20 Jahren die weltoffene, internationale Jugendhanse mit gegründet. Und er wird nicht müde zu erzählen, dass er es für nicht realistisch eingeschätzt hätte, wenn ihm damals jemand gesagt hätte, er werde später mal selbst der Vormann der Hanse sein. Im Kloster-Innenhof konnte er nicht nur viele Weggefährten begrüßen, sondern auch zwei seiner Amtsvorgänger: Bernd Saxe (2000-2018) und Michael Boutellier (1988-2000), beide wie Lindenau in der SPD. Ein wenig sind Hansetage wie Familientreffen. Und bei denen darf man sich auch mal freundschaftlich kabbeln und necken, wie das die Bürgermeister dieser Tage gerne tun: Lübeck wird dieses Jahr 875 Jahre alt, Rostock feiert exakt morgen den 800. Stadtgeburtstag. Haben sich gut gehalten, beide!

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Volles Risiko

Auf der NDR-Bühne ist Public Viewing des WM-Spiels Deutschland-Schweden.

Sie hatten gar keine Wahl. Seit drei Jahren bereitet sich Rostock auf seinen Hansetag vor. Und dann spielt ausgerechnet heute Abend bei der Fußball-Weltmeisterschaft die deutsche Nationalmannschaft gegen Schweden schon um alles. Kein einfaches Vorrundenspiel, sondern ein entscheidendes. Das Spiel läuft auf der Großbildleinwand im Stadthafen auf der NDR-Bühne. Public Viewing. Und man mag sich gar nichts anderes als einen Erfolg der deutschen Kicker vorstellen, denn wenige Minuten nach Schlusspfiff sieht am gleichen Ort rund um die NDR-Bühne die Hansetag-Regie den Höhepunkt des Hansetreffens überhaupt vor: Rostock wird 800. Und zum Countdown mit Lasershow bis Mitternacht („Reinfeiern in den Stadtgeburtstag“) ist dort eine traurige, fußballbedingte Missstimmung absolut unerwünscht. Am 24. Juni um punkt 0 Uhr starten schließlich der Rostocker Stadtgeburtstag und das Feuerwerk über dem Stadthafen. Ein Grund zum Jubel! O fortuna!

Einbeck auf dem Hansemarkt

Ulrike Lauerwald, Frithjof Look, Ines Naleppa, Maximilian Bieling, Wilfried Kappei und Linda Goebel (v.l.) am Hansemarkt-Stand.

Der Hansemarkt ist das Herzstück eines jeden Hansetages, an dem laut offizieller, aktualisierter Liste in Rostock 119 Hansestädte teilnehmen, von A wie Alfeld bis Z wie Zwolle. Mehr als 100 haben einen Stand auf dem Neuen Markt, wo der Hansemarkt seinen zentralen Ort hat und heute Mittag feierlich eröffnet wurde. Hanse-Vormann Jan Lindenau schlug gemeinsam mit Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling mit vier Schlägen das Fass Rostocker Festbier an. Als er das unter dem Beifall der zahlreichen Besucher tat, da lief das Einbecker Bier am Stand der Bierstadt selbstverständlich längst aus der Leitung, wie Einbecks Chef de Mission vorher twitterte:

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Einbeck hat an seinem Stand auf dem Hansemarkt neben Bier-Kostproben aus dem eigenen Bieranhänger mit Tresen auch Informationen über Stadtführungen, Blaudruck, Senf und PS-Speicher zu bieten. In Rostock dabei sind aus Einbeck Ines Naleppa, Wilfried Kappei, Maximilian Bieling, Linda Goebel, Frithjof Look und Ulrike Lauerwald; Bürgermeisterin-Stellvertreter Dr. Florian Schröder musste kurzfristig seine ursprünglich vorgesehene Teilnahme absagen.

Und die Party geht jetzt erst los auf dem Hansemarkt:

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Eröffnung wegen Wind und Regen im Saal

Manuela Schwesig, Roland Methling und Jan Lindenau gaben das Startsignal.

Der Hansetag in Rostock ist eröffnet. Aber so ganz anders als sich das die Organisatoren ursprünglich gedacht hatten und verhältnismäßig unspektakulär im Saal. Wenn auch in einem der nach eigener Darstellung wohl schönsten Konzertsäle Norddeutschlands, im Barocksaal. Dort schlugen der Vormann der Hanse, Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau, gemeinsam mit Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig die Glocke und erklärten den 38. Hansetag der Neuzeit für eröffnet. Mit dabei aus Einbeck waren Wirtschaftsförderung-Fachbereichsleiter Frithjof Look und Tourismus-Leiterin Ulrike Lauerwald. Eigentlich sollte im Stadthafen zum Hansetag-Start eine extra komponierte Jubiläumskantate erklingen, sollten historische Hansekoggen einlaufen und stilecht wie früher entladen werden. Doch heftigster Regen und starke Windböen bis 50 Stundenkilometer sorgten aus Sicherheitsgründen auf und vor der dortigen Bühne am Wasser für die kurzfristige Absage der Eröffnungsfeier im Hafen und für die Verlegung der Kernzeremonie in den 1750 entstandenen Barocksaal, wo eigentlich nur der Empfang des Oberbürgermeisters für die Delegierten aus 119 Hansestädten stattfinden sollte. Ungewohnt mit Opernarien. Diese allerdings verdeutlichten, dass dieser Saal eine hervorragende Akustik für Musik und Gesang hat, für Gespräche indes leider weniger.

Beim Delegierten-Empfang im Barocksaal: Ulrike Lauerwald und Frithjof Look mit einer Vertreterin aus Pritzwalk.

„Was wären wir Hanseaten, wenn uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen könnte“, sagte der Hanse-Vormann bei der Eröffnung und optimistisch für die nächsten drei Tage. „Ohne Wind wäre keine einzige Hansekogge gesegelt“, sagte Lindenau. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig unterstrich die Bedeutung des Städtebundes der modernen Hanse: „Die Hanse ist ein gutes Beispiel für internationalen Zusammenhalt und beweist, dass es besser ist, aufeinander zuzugehen als miteinander Konflikte auszutragen.“ Im Übrigen seien die Norddeutschen ja nicht aus Zucker, sondern auch mal schlechtes Wetter gewohnt, sagte die Regierungschefin von Mecklenburg-Vorpommern vor 250 Hansetag-Delegierten. In den nächsten Tagen werde sich das bei dem vielfältigen Programm zeigen. Hoffen wir dann aber, dass das Wetter besser wird. Niedersachsen sind zwar sturmfest, aber die Laune ist bei Sonnenschein dann doch erheblich besser.

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Einbeck baut auf

Stand 707 entsteht. Einbeck ist angekommen.

Nach problemloser Fahrt ist die Einbecker Delegation in Rostock eingetroffen und baut nun auf. Damit morgen zum Start des Hansemarktes auf dem Neuen Markt alles in der richtigen Position ist, die Prospekte griffbereit liegen und das Bier fließen kann. Der Blick zum Himmel verursacht ein paar Sorgenfalten, denn nach dem Sommer gestern ist heute kühles Regenwetter in Rostock eingezogen. Die Aussichten für das Wochenende sind durchwachsen. Wenn die Sonne dann wieder heraus kommt, haben die Einbecker das Bier am Zapfhahn. Natürlich auch bei Wolkenwetter, aber das Hopfenkaltgetränk läuft nun mal besser bei entsprechenden Temperaturen und sonniger Laune. Einbeck ist für alles präpariert. Jedenfalls mehr Gerstensaft als vor vier Jahren in Lübeck haben die Einbecker im Gepäck für den Hansetag in Rostock.

Mit vereinten Kräften den Bierwagen in die richtige Position gezogen.

Einbecks Platz

Noch Platz für den Bieranhänger ist neben dem Einbecker Pavillon.

Einbecks Platz steht bereit. Kein schlechter, wie es jedenfalls auf den ersten Blick scheint. Für den Hansemarkt sind heute auf dem Neuen Markt in Rostock unweit des Rathauses die ersten weißen Pavillons bezogen worden. Die Einbecker Delegation trifft morgen ein, bringt Bier mit. Der Platz neben dem Einbecker Pagodenzelt ist für den Bieranhänger frei gelassen. 115 Hansestädte nehmen in Rostock teil, Einbeck hat auf dem Hansemarkt so illustre Nachbarn wie Hamburg (inklusive Fischbräterei in Sichtweite) oder Lippstadt, Rüthen (da war doch was 2014…) und andere Orte aus der westfälischen Hanse. Und Brilon im Sauerland. Die Stadt des Hansetages im Jahr 2020 ist Einbeck gegenüber mit seinen weißen Zelten gelegen. Da können bequem schon erste Kontakte geknüpft werden für den Hansetag in zwei Jahren. Nach dem Hansetag ist bekanntlich vor dem Hansetag.

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Die Party kann beginnen

OB Methling fotografiert schon mal „zurück“.

Es ist angerichtet. Die Party kann beginnen. Rostock erwartet den Hansetag. Nach drei Jahren Vorbereitungszeit und 22 Jahre nach dem Zuschlag startet am Donnerstag der 38. Hansetag der Neuzeit pünktlich zum 800. Stadtgeburtstag der Hansestadt Rostock. Vor 600 Jahren (!) hat Rostock letztmals einen Hansetag ausgerichtet. Da ist die Freude vor Ort nur allzu verständlich. „Ich habe noch kein Medikament gegen den Hanse-Virus gefunden“, sagte heute Oberbürgermeister Roland Methling bei der Auftaktpressekonferenz im historischen Hausbaumhaus. Richtig gesucht haben dürfte der OB aber auch vermutlich nicht. Warum auch? Rostock erwartet in den nächsten Tagen 400.000 Besucher, ist Gastgeber für 2000 Teilnehmer, 115 Hansestädte aus 16 Ländern. Rund 1,5 Millionen Euro kostet der Hansetag, etwa 500.000 Euro davon tragen Sponsoren. Sieben Erlebnisbereiche gibt es in der Innenstadt und am Stadthafen. Sieben (!) Riesenräder sorgen für unterschiedliche und ungewöhnliche Perspektiven aus luftiger Höhe. 120 akkreditierte Journalisten werden über den Hansetag in Rostock berichten.

Einer davon bin ich. Nach vier Jahren Pause ist auch Einbeck wieder beim Hansetag dabei. Und so bin ich selbstverständlich vor Ort. Jetzt schon, bevor die Einbecker-Delegation am Donnerstag anreist. Natürlich werde ich mein Augenmerk vor allem auf Einbeck beim Hansetag in Rostock richten. Aber auch – wie schon in Lübeck 2014 – die eine oder andere weitere Beobachtung hier dokumentieren. Die Vielfalt ist wieder so riesig groß, dass dabei eine Komplettübersicht nicht mein Anspruch sein kann. Der Aufbau läuft in Rostock seit gestern auf Hochtouren. Überall wird gewerkelt. Die weißen Pavillons des Hansemarktes entstehen, in einem wird auch die Einbecker Gruppe die Hanse- und Bierstadt vertreten. In welchem? Wir werden sehen…

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Nach vier Jahren Pause wieder dabei

Sie vertreten Einbeck in Rostock bei den Hansetagen und nehmen das Bild von Werner Leske dorthin mit (v.l.): Ulrike Lauerwald, Ines Naleppa, Frithjof Look, Dr. Florian Schröder, Linda Goebel und Wilfried Kappei.

Nach vier Jahren Pause nimmt Einbeck wieder an den Hansetagen teil. Zuletzt war Einbeck bei den Hansetagen 2014 in Lübeck vertreten. In Rostock werden Vertreter aus 115 Hansestädten erwartet. Aus Einbeck dabei sind von der Stadtverwaltung Dr. Florian Schröder und Frithjof Look als Delegierte sowie Ulrike Lauerwald, Ines Naleppa, Linda Goebel und Wilfried Kappei aus den Fachbereichen Tourismus und Wirtschaftsförderung. Mit einem Stand auf dem Hansemarkt wird sich Einbeck als Tourismus-Ziel präsentieren – und natürlich dank flüssiger Unterstützung der Einbecker Brauhaus AG das Einbecker Bier ausschänken. „Einbeck als Marke zieht über das Bier“, erinnert sich Delegationsleiter Dr. Florian Schröder noch an den Hansetag in Lübeck. Vom Fass gibt’s Brauherren Pils und Landbier, aber auch das Bockbier „Ainpöckisch 1378“, das Einbecker Dunkel und Radler in der Flasche haben die Einbecker am Hansetag-Stand dabei. Der Bereich Tourismus wird Einbecks Stärken präsentieren, das Fachwerk ebenso wie Blaudruck oder Senf. Und natürlich den PS-Speicher als touristischen Leuchtturm.

Mit nach Rostock nimmt die Einbecker Delegation ein Gemälde von Werner Leske. Es wird Teil einer gemeinsamen Kunstschau der Hanse, die den Städtebund kreativ übersetzt und später als Wanderausstellung durch die Hansestädte touren soll. Alle Hansestädte waren aufgerufen, ein Ausstellungsobjekt als Geschenk mit nach Rostock zu bringen.

„2007 nahm ich eine Leinwand, griff zu Stift, Pinsel und Farbe und malte ein Bild und nannte es: zueinander? miteinander? auseinander?“, berichtet der Künstler und Galerist aus Einbeck. Zu sehen ist auf dem Bild auf der linken Seite das christliche Abendland mit seinen dominierenden Kirchenbauten, auf der rechten Seite mit der Architektur des Islams, ganz rechts „ein vieldeutbares Baugebilde, also die Unterkünfte für Andersgläubige“, wie Werner Leske berichtet. Der Zugang, das Tor, jedoch ist verschlossen. Zu Zeiten der Hanse öffnete man sich, ließ die Schranken fallen und öffnete das Tor, gewann dadurch Vorteile. Diese Bedeutung der Hanse solle sich der amerikanische Präsident heute mal erklären lassen, meint Leske. Im Zentrum des Gemäldes ist deshalb ein Transparent zu erkennen: „Auf das Tor! Die Hanse macht es vor.“

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